gemeindebau




Sponsor:
ma50

Artwork/Konzept:

MICROGIANTS INDUSTRIAL DESIGN GMBH

Konzept:

datenwerk gmbh


Version 2.0/Mashup


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Kategorie A: Superblock
Der bekannteste „Superblock“ Wiens ist wohl der Karl-Marx-Hof: Mit seinen 156.000 Quadratmetern Grundfläche und rund 1.800 Wohnungen für über 5.000 Bewohner ist er auch heute noch einer der größten kommunalen Wohnbauten Wiens. Für alle politischen Seiten galten die „Superblocks“ des Roten Wien gleichermaßen als „politisches Manifest der österreichischen Sozialdemokratie“ und Ausprägung des austromarxistischen Weges. Die Gemeindebauten fanden internationale Beachtung, und das kommunale Wiener Wohnbauprogramm wurde von vielen Ländern nachgeahmt. Die Wohnungen in den neu geschaffenen Wohnblocks waren größer, moderner und heller als die in den Zinskasernen und Elendsquartieren um die Jahrhundertwende. „Licht, Luft und Sonne in alle Wohnungen“ war die inoffizielle Gestaltungsrichtlinie für den Bau dieser Wohnhausanlagen. Vorbilder für diese „Volkswohnpaläste“ waren die feudalen Schloss- oder Palastanlagen sowie die großen Stiftshöfe und Freihäuser des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Auch nach 1945 gab es viele große Wohnbauvorhaben, die den Stolz der Wiener Sozialdemokratie symbolisieren sollten. In den 1980ern und gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden auch einige Großprojekte nicht von der Gemeinde Wien als Bauherr, sondern von gemeinnützigen Bauträgern verwirklicht.

Kategorie B: Hoch Hinaus
Der Stolz der Wiener Sozialdemokratie auf ihr Wohnbauprogramm wurde auch in einigen Projekten durch die Errichtung von mehrstöckigen Wohnbauten gezeigt.
Wohnhäuser mit Wohnräumen, die höher als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegen, gelten als Hochhäuser. Da einfache Feuerwehrdrehleitern nicht über diese Höhe hinausreichen, bedarf es besonderer baulicher Maßnahmen, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Der Reumannhof, ursprünglich mit einem 16-stöckigen Wohnturm konzipiert, wurde als Wiens erstes Hochhaus mit insgesamt 2.500 Wohnungen geplant, aber aus Kostengründen als 8-stöckige Wohnhausanlage errichtet. Zwischen 1919 und 1934 wurden wie der Reumannhof einige Hochhäuser geplant, aber nicht umgesetzt.
Das erste richtige Hochhaus nach dem Krieg wurde im „Theodor-Körner-Hof“ 1955 eröffnet. Es war mit seinen 20 Stockwerken ein Meilenstein des kommunalen Wohnbaus. Das größte Haus in Margareten wurde im Anschluss an die „Ringstraße des Proletariats“ und als Fortsetzung der Bautätigkeit des Roten Wien gebaut.

Kategorie C: Kunst am Bau
Die Architektur der 30er Jahre war vor allem durch expressionistisches Dekor und Symboliken der Moderne gekennzeichnet. Die Architekten wollten billigen Wohnraum innerhalb eines für damals großen sozialen Experiments schaffen. Die Wohnhausanlagen wurden oft prächtig ausgeschmückt und waren der Stolz der ArbeiterInnenbewegung. Damit wurden sie zu einem Symbol des „Roten Wien“. Die Kunst war ein Mittel zum Zweck, um der neu entstandenen und selbstbewussten sozialen Schicht auch ihren eigenen kulturellen Ausdruck zu verleihen. Nach 1945 wurde meistens ein Prozent der Bausumme für die künstlerische Ausschmückung der Gemeindebauten verwendet. Es wurden vor allem Mosaiken an Wohnhausanlagen appliziert und Plastiken und Statuen aufgestellt. Die Ausdrucksweise war nicht mehr vorausschauend in die Zukunft gerichtet, sondern beschränkte sich auf eine glorifizierende Darstellung der zurückliegenden Errungenschaften (Kompast 2001). In den 70er Jahren stellten die Architekten immer mehr selbst den künstlerischen Anspruch an die Gestaltung der Wohn-hausanlagen. Ab 1982 gab es keine gesetzliche Regelung mehr für „Kunst am Bau“, und der Begriff wurde durch „Kunst und Bau“ ersetzt. Heute gibt es vor allem Projekte, die „Kunst im öffentlichen Raum“ thematisieren und nicht mehr an die Errichtung von Wohnhausanlagen geknüpft werden.

Kategorie D: Das Große im Kleinen
„Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein“ Die Entwicklung der Gemeindebauten ist Ausdruck der Industrialisierung des Wohnraums. In diesen Wohnhausanlagen sollte ein besseres Leben möglich sein. Leistbares Wohnen, Sport- und Kulturveranstaltungen sowie billiges Einkaufen bildeten die Basis für dieses neue Leben. Ein Gemeindebau sollte für proletarische Solidarität, gegenseitige Hilfe und Unterstützung, Organisiertheit und das Streben nach Übereinstimmung zwischen individuellen und kollektiven Interessen stehen (Hautmann 1980). Der „neue Mensch“ sollte durch die Lebensumstände ein „neues Bewusstsein“ erreichen, und kollektive Einrichtungen wie Kindergärten und Waschhäuser erleichterten das Leben der Bewohner. Dieses gemeinschaftliche Arbeiten und Leben war nicht nur ein soziales Experiment, sondern auch Ausdruck der gesellschaftlichen Aufbruchstimmung in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Was im Großen die Superblock-Wohnhausanlage war, war im Kleinen die Frankfurter Küche von der Architektin Schütte-Lihotzky. Die Küche als Werkbank der Frau sollte auf die kürzesten Wege für die Erledigung der Hausarbeit optimiert werden. Daher sind auch die Details der Wohnhäuser wohl durchdacht und gestaltet und Ausdruck des „neuen Lebensgefühls“ im Gemeindebau.

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Impressum: Medieninhaber und Herausgeber:
MICROGIANTS INDUSTRIAL DESIGN GMBH
WESTBAHNSTRASSE 9/33B A-1070 VIENNA
MAIL OFFICE@MICROGIANTS.COM WEB WWW.MICROGIANTS.COM

Das Gemeindebauquartett, 2. Auflage, wurde gestaltet von
Konzeption Markus Netter Artdirektion Gerin Trautenberger
Design Franz Piffl Fotografie Michaela Koller (außer: B5, B6 und C6 von Markus Netter, A3 von MICROGIANTS, D8 von nofrills und AA Washington-Hof unter CreativeCommons, cc-by-sa Autor:Binter Wikipedia)
Druck Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne

Unser Dank ergeht:
für die Hilfe und Unterstützung an WIENER WOHNEN (Kundenservice GmbH) und an die datenwerk gmbh (Wolfang Zeglovits) für die Hilfe.

Architekten* Detailerklärung (Hugo-Breitner-Hof A3*: Architekten: Erwin Fabrici, Georg Lippert, Fritz Purr und Paul Widman) (Sandleiten C1*: Architekten: Emil Hoppe, Otto Schönthal, Franz Matuschek, Siegfried Theiß, Hans Jaksch, Franz Krauß und Josef Tölk) (Werkbund Siedlung C2*: Leiter: Josef Frank, Architekten: Richard Bauer, Karl A. Bieber, Otto Breuer, Anton Brenner, Josef F. Dex, Max Fellerer, Helmut Wagner Freynsheim, Hugo Gorge, Jacques Groag, Arthur Grünberger, Gabriel Guévrékian, Oswald Haerdtl, Hugo Häring, Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister, Julius Jirasek, Ernst Lichtblau, Adolf Loos, Walter Loos, André Lurçat, Richard Neutra, Otto Niedermoser, Ernst A. Plischke, Gerrit T. Rietveld, Margarete Schütte-Lihotzky, Walter Sobotka, Oskar Strnad, Hans Adolf Vetter, Eugen Wachberger, Josef Wenzel und Oskar Wlach) Quellen: Buch: WienWinner, Verlag Holzhausen, Internet: www.roteswien.at, www.wien.at, www.werkbundsiedlung.at.tf, Die Gemeindebauten des Roten Wiens, Hautmann Wien 1980, S. 204, Spurensuche, Kunst am& Bau, Susanne Kompast, Wien 2001, und Markus Netter Archiv

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